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Grenzen der Unternehmung

1. Begriff: Die Grenzen der Unternehmung d. U. stecken den Bereich ab, auf den sich der autonome Wirtschaftsplan einer selbständigen Unternehmung erstreckt. Die vertikalen Grenzen der Unternehmung d. U. beziehen sich auf den Anteil der Unternehmung an einer Wertschöpfungskette bzw. auf die Zahl der vertikal aufeinander bezogenen arbeitsteiligen Elementarprozesse, die innerhalb einer Unternehmung ausgeführt werden. Die horizontalen Grenzen der Unternehmung d. U. werden durch die Breite des Leistungssortiments oder der Zahl der in einer Unternehmung erzeugten Leistungen für Dritte gemessen. Dabei wird unterschieden, in welchem Maße Beziehungen zwischen den Produktlinien bestehen, wobei zwischen zusammenhängenden oder verwandten und unzusammenhängenden oder konglomeraten Relationen unterschieden wird. - 2. Theorien: Grundsätzlich ist zwischen der Erklärung der vertikalen Grenzen der Unternehmung d. U. und den horizontalen, d. h. der Mehrproduktunternehmung, zu unterscheiden. - a) Neoklassische Theorien der Unternehmung: Die mikroökonomische Theorie der Unternehmung kann beide Phänomene nicht allein mit der Produktionsfunktion bzw. mit economies of scale und scope befriedigend erklären. Deshalb haben die Transaktionskostentheorie der Unternehmung und daran anknüpfend die Governance-Structure-Theorie der Unternehmung an Bedeutung gewonnen und die vertikale Grenzen der Unternehmung d. U. primär auf die Existenz von (statischen) Marktaustausch- oder Transaktionskosten zurückgeführt, während die Team-Theorie der Unternehmung auch die Teamproduktion heranzieht. Erklärungsdefizite resultieren im wesentlichen daraus, daß die Erlöse (z. B. durch Monopson, Monopol, unternehmensspezifisches technisches Wissen, verschiedene Aneignungsmöglichkeiten der Erlöse) bzw. dynamische Transaktionskosten (Wissensübertragungskosten) ursprünglich keine Beachtung fanden. - b) Dynamisch-evolutorische Theorien der Unternehmung: (1) Die Wachstumstheorie der Unternehmung von Penrose betont die Verfügbarkeit der Ressource Management als zentrale Restriktion realisierbarer Neuerungen, der Unternehmungsgröße bzw. -grenzen. (2) Chandlers Entwicklungstheorie der Unternehmung bezieht sich auf die Ko-Evolution von technischen und organisatorischen Innovationen und bestimmt die Grenzen der Unternehmung d. U. u. a. durch die Nachfrageentwicklung (Massenmärkte) und Kapitalintensität bzw. Investitionserfordernisse in bestimmten Branchen. (3) Der Ansatz von Richardson bestimmt die Grenzen der Unternehmung d. U. mit Hilfe der Ähnlichkeit von Aktivitäten und durch das Ausmaß der erforderlichen Koordination (Komplementarität). Ähnliche Aktivitäten werden integriert, unähnliche, komplementäre werden mit Kooperationen oder dem Markt koordiniert. (4) Demsetz geht davon aus, daß die Grenzen der Unternehmung d. U. grob durch eine Ökonomisierung der Ausgaben für Wissen bestimmt werden, wobei das Produkt als Vehikel der Wissensübertragung und damit der Spezialisierung dient. (5) Silver betont, daß vertikale Integration die Koordination von neuem Wissen erleichtere. Anstatt kostspieliger Informationsübertragung auf potentielle, selbständige Vertragspartner schließt der Unternehmer Arbeitsverträge, die eine billigere Informationsübertragung erlauben bzw. erwirbt Unternehmungen. Da der Unternehmer nicht über alle Fähigkeiten verfügt, um ein Produkt vollständig zu produzieren und außerdem Organisationskosten entstehen, sucht er die Arbeitsteilung. Dabei nimmt er Produktionskostennachteile in Höhe der vermiedenen Informationsübertragungskosten in Kauf. Der so bestimmte Integrationsgrad minimiert (ex post) die Produktions- und Informationsübertragungskosten. Er verändere sich in der Zeit mit den (relativen) Lernprozessen. Silver hebt also auf dynamische Transaktionskosten ab. (6) Langlois führt die Entwicklung der Grenzen der Unternehmung d. U. auf die innovationsbedingte Marktwachstumsrate, die Aneigenbarkeit von Innovationsrenten und die Informationsübertragungskosten zurück, wobei die historische Ausgangssituation ebenfalls eine Rolle spielt (Pfadabhängigkeit). Unternehmungen sind ceteris paribus vertikal um so integrierter, je höher die Marktwachstumsrate ist und um so weniger potentielle Vertragspartner bereits vorhanden sind. (7) Die Theorie der dynamischen Unternehmensfähigkeiten (Dosi et al.) erklärt die Grenzen der Unternehmung d. U. mit dem relativen firmenspezifischen organisatorischen und technischen Wissen, seiner pfadabhängigen Weiterentwicklung (Lernen) in den Unternehmungen, der selektierenden Umwelt (stark/schwach) und damit mit den Handelnsmöglichkeiten. Dabei stehen die Kohärenz von Fähigkeiten und die Strategie im Mittelpunkt. Aber auch die Transaktionskosten spielen eine Rolle.

 

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